4. Juni 2004
Viele Menschen können nicht oder nur schlecht lesen. Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie, Dyslexie), funktioneller Analphabetismus, aber auch Seheinschränkungen oder Lernbehinderungen können Ursachen dafür sein. Daher enthält das Internet als Medium mit großen Textmengen für diese Nicht-Leser große Barrieren.
Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten Inhalte im Internet auch für Nicht-Leser zu erschließen. Oft helfen grafische Informationen, Bilder und Filme Informationen zu transportieren. Auch der Text selbst kann auf unterschiedliche Weise erschlossen werden:
Im Folgernden finden Sie einige Hinweise zu diesen Lösungsansätzen.
Bieten Sie die Textblöcke alternativ als vorgelesene Audiodateien an. Versuchen Sie dabei die Navigation mit Bildern und Piktogrammen zu unterstützen, da diese in der Regel nicht vorgelesen werden. Achten Sie darauf, dass die Dateien ausreichende Tonqualität bei hoher Komprimierung aufweisen und dass einzelne Dateien nicht zu lange Ladezeiten aufweisen. Gegebenenfalls verteilen Sie die Texte auf mehrere Tondateien. Verwenden Sie ein einheitliches Symbol z.B. Lautsprecher) zum Aufrufen der Tondatei. Ordnen Sie dieses Symbol eindeutig dem zugehörigen Textblock zu. Der Nachteil des Verfahrens liegt im Aufwand, der bei der Erstellung und bei jeder Änderung der Inhalte aufgewendet werden muss. Eine Beispielseiten mit vielen Tondokumenten finden Sie unter: www.lebenshilfe-angesagt.de
Setzen Sie auf Ihrer Seite einen Link zu Plugins, die Texte in Sprachausgabe umsetzen. Verwenden Sie ein Symbol um darauf hinzuweisen. Wenn Sie einem Nicht-Leser das Herunterladen und die Verwendung des Plugins erklären möchten, bieten Sie ihm eine Erklärung als Tondokument (siehe unter Alternative Audiodateien) oder ein Anleitungsvideo an. Die Texte werden in der Regel mit der Maus markiert und nach Betätigen eines Symbols vorgelesen. Der Nachteil des Verfahrens liegt in der Tatsache, dass der Nutzer das Plugin benötigt und es für seinen Browser verfügbar seien muss. Ein Beispiel für ein solches Plugin (für den Internet Explorer) ist das kostenlose "Webspeech" gewesen. Dieses wird leider nicht mehr weiterentwickelt, alte Versionen sind an verschiedenen Stellen online noch verfügbar, eine Kompatibilität zu aktuellen Browsern ist jedoch nicht sichergestellt. Download der Webspeech-Version 4 im Angebot einer Computerzeitung.
Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Webdiensten. Hierbei schließt der Webseitenanbieter einen Dienstleistungsvertrag mit einem entsprechenden Webdienst. Über entsprechende Hinweise und Buttons, wird der Text an den Webdienst gesendet, der ein entsprechendes Tondokument erzeugt und zurückschickt. Die Texte werden in der Regel mit der Maus markiert und nach Betätigen eines Symbols vorgelesen. Der Nachteil des Verfahrens liegt in den Einrichtungskosten sowie den laufenden Kosten für den Webdienst. Die Kosten sind in der Regel abhängig von der Größe des Angebotes und der Anzahl der Zugriffe auf die Seite. Ein Beispiel für einen solchen Webdienst finden Sie unter: www.readspeaker.de
Menschen, die blind oder stark sehbehindert sind, nutzen oft Hilfsmittel, um überhaupt einen PC bedienen zu können. Solche Screenreader oder Webreader setzen Texte und Steuerungsbefehle in eine Sprachausgabe um. Nachteil: die Hilfsmittel müssen gesondert beschafft und ihre Benutzung erlernt werden. Sie sind eigentlich eine Lösung ganz speziell für Menschen bei starker Sehbehinderung und Blindheit. Beispiele für solche Hilfsmittel wären Jaws und der IBM Homepage Reader.
Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass keineswegs durch den Einsatz einer dieser Möglichkeiten Barrierefreiheit für alle Behinderungsarten erreicht wird. Jeder Lösungsansatz zielt auf bestimmte Zielgruppen und hat gewisse Vor- und Nachteile.