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Und wenn jemand nicht lesen kann?

Eine Comicfigur steht fragend vor einem Text, den sie nicht lesen kann Viele Menschen können nicht oder nur schlecht lesen. Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie, Dyslexie), funktioneller Analphabetismus, aber auch Seheinschränkungen oder Lernbehinderungen können Ursachen dafür sein. Daher enthält das Internet als Medium mit großen Textmengen für diese Nicht-Leser große Barrieren.

Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten Inhalte im Internet auch für Nicht-Leser zu erschließen. Oft helfen grafische Informationen, Bilder und Filme Informationen zu transportieren. Auch der Text selbst kann auf unterschiedliche Weise erschlossen werden:

  • durch alternative Audiodateien
  • Plug-Ins, die Text in Sprache umsetzen
  • Webdienste, die eine Sprachausgabe erzeugen
  • Hilfsmittel, die Text in Sprache umsetzen.

Im Folgenden finden Sie einige Hinweise zu diesen Lösungsansätzen.

 

Alternative Audiodateien

Bieten Sie die Textblöcke alternativ als vorgelesene Audiodateien an. Versuchen Sie dabei die Navigation mit Bildern und Piktogrammen zu unterstützen, da diese in der Regel nicht vorgelesen werden. Achten Sie darauf, dass die Dateien ausreichende Tonqualität bei hoher Komprimierung aufweisen und dass einzelne Dateien nicht zu lange Ladezeiten aufweisen. Gegebenenfalls verteilen Sie die Texte auf mehrere Tondateien. Verwenden Sie ein einheitliches Symbol (z.B. Lautsprecher) zum Aufrufen der Tondatei. Ordnen Sie dieses Symbol eindeutig dem zugehörigen Textblock zu. Der Nachteil des Verfahrens liegt im Aufwand, der bei der Erstellung und bei jeder Änderung der Inhalte aufgewendet werden muss. Eine Beispielseite mit vielen Tondokumenten finden Sie unter: http://www.lebenshilfe-angesagt.de/

Plug-Ins

Setzen Sie auf Ihrer Seite einen Link zu Plug-Ins, die Texte in Sprachausgabe umsetzen. Verwenden Sie ein Symbol um darauf hinzuweisen. Wenn Sie einem Nicht-Leser das Herunterladen und die Verwendung des Plug-Ins erklären möchten, bieten Sie ihm eine Erklärung als Tondokument (siehe unter Alternative Audiodateien) oder ein Anleitungsvideo an. Die Texte werden in der Regel mit der Maus markiert und nach Betätigen eines Symbols vorgelesen. Der Nachteil des Verfahrens liegt in der Tatsache, dass der Nutzer das Plug-In benötigt und es für seinen Browser verfügbar sein muss. Ein Beispiel für ein solches Plug-In (für den IE) ist das kostenlose "Webspeech" gewesen. Dieses wird leider nicht mehr weiterentwickelt, alte Versionen sind an verschiedenen Stellen online noch verfügbar, eine Kompatibilität zu aktuellen Browsern ist jedoch nicht sichergestellt. Download der Webspeech-Version 4 im Angebot einer Computerzeitung.

Webdienste

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Webdiensten. Hierbei schließt der Webseitenanbieter einen Dienstleistungsvertrag mit einem entsprechenden Webdienst. Durch Betätigung eines Buttons auf der Website setzt sich der Webdienst als Proxy zwischen Website und Besucher und setzt unter anderem die Webseiten in Tondateien um. Ein anderer Ansatz schickt bei Betätigung eines Buttons Webseiten oder markierte Texte ähnlich wie die Druckfunktion im Web zum Webdienst, der sie als Tondateien zurückschickt. Der Nachteil für die Anbieter: es entstehen Einrichtungskosten sowie laufende Kosten für den Webdienst. Die Kosten sind in der Regel abhängig von der Anzahl der Zugriffe auf die Seite. Ein Beispiel für einen solchen Webdienst finden Sie unter in englischer Sprache http://www.readspeaker.com/.

Hilfsmittel

Menschen, die blind oder stark sehbehindert sind, nutzen oft Hilfsmittel, um überhaupt einen PC bedienen zu können. Solche Screenreader oder Webreader setzen Texte und Steuerungsbefehle in eine Sprachausgabe um. Nachteil: die Hilfsmittel müssen gesondert beschafft und ihre Benutzung erlernt werden. Sie sind eigentlich eine Lösung ganz speziell für Menschen bei starker Sehbehinderung und Blindheit. Ein Beispiel für ein solches Hilfsmittel ist in englischer Sprache Jaws.

Die meisten Betriebsysteme bieten bereits einige Hilfsmitteln und assistiven Technologien. In einem weiteren Tipp zeigen wir Ihnen, wie Sie die Sprachausgabe unter Microsoft Windows nutzen können, um sich PDF-Dokumente oder Webseiten vorlesen zu lassen. Lesen Sie dazu den Tipp "Microsoft Windows: Deutsche Sprachausgabe nachrüsten".

Schlussbemerkung

Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass keineswegs durch den Einsatz einer dieser Möglichkeiten Barrierefreiheit für alle Behinderungsarten erreicht wird. Jeder Lösungsansatz zielt auf bestimmte Zielgruppen und hat gewisse Vor- und Nachteile.