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Barrierefreiheit des Lernmanagementsystems moodle

Logo der Software moodleIm Zeitraum vom 3. - 6.12.2007 führten Mitarbeiter des AbI-Projekts eine Untersuchung der Lernumgebung "moodle" durch. Erfahren Sie in diesem Artikel Informationen zu dieser E-Learning-Umgebung und ihre Ergebnisse im Rahmen der Tests.

Testumfang

  • Loginseite
  • Kursstartseite
  • Inhaltsseite
  • Navigation
  • Forum: Für den Test der Forumsfunktionalität wurde die Darstellung der Foreninhalte, sowie das Verfassen eines neuen Forenbeitrags untersucht.
  • Mail: Moodle 1.8.3 verfügt über ein internes Nachrichtensystem, welches in einer JavaScript-basierten Variante und in einer Variante ohne JavaScript verfügbar ist. Beide Varianten wurden in den Test mit einbezogen.
  • Chat: Moodle 1.8.3 verfügt über einen JavaScript-basierten Chat und über eine Version, die ohne JavaScript auskommt; beide Varianten wurden in den Test mit einbezogen.

Beschreibung der Software

Moodle ist in der Version 1.8.3 ein sehr komplexes Lernmanagementsystem geworden. Daher kann die folgende Beschreibung nur einen kurzen Einblick in die Möglichkeiten von Moodle bieten. Für ausführliche Beschreibungen wird auf die Internetseite http://moodle.org verwiesen.

Administration

Moodle unterstützt ein dezidiertes Rechtemanagement. Es gibt unterschiedliche Rollen (Administrator, Kursersteller, Lehrender, Lehrender ohne Bearbeitungsrechte, Student, Gast) mit unterschiedlichen Rechten, bzgl. des Zugriffs auf vorhandene Materialien und Aktivitäten, unterschiedliche Möglichkeiten, neue Materialien und Aktivitäten zu erstellen, sowie einzelne Kurse oder das gesamte Lernmanagementsystem zu verwalten. Neben den zur Verfügung stehenden Rollen können weitere Rollen, mit individuell konfigurierbaren Rechten, erstellt werden.

Zur vergrößerten Ansicht des Screenshots der Nutzerverwaltung Teilnehmende können selber ein Nutzerkonto für eine Moodle-Plattform erstellen oder die Zugänge werden zentral verwaltet, wobei auch die Anbindung an verschiedene Authentifizierungsserver möglich ist. Außerdem besteht die Möglichkeit, in einem Batchverfahren, beliebig viele Nutzerkonten zu erstellen.

Kursmanagement

Zur vergrößerten Ansicht des Screenshots der Kursverwaltung In Moodle können beliebig viele Kurse angelegt werden. Kurse werden wiederum in größeren Kategorien (bspw. Semester, Fächer, Jahrgangsstufen etc.) zusammengefasst. Die Teilnehmenden eines Kurses, werden entweder durch die Lehrperson zu einem Kurs hinzugefügt oder sie erhalten einen Schlüssel, mit dem sie sich für den zugehörigen Kurs freischalten.

Innerhalb eines Kurses können noch Gruppen angelegt und verwaltet werden. Jede Aktivität und jeder Inhalt kann dafür in den Gruppenmodus geschaltet werden, so dass die jeweilige Aktivität oder der ausgewählte Inhalt nur bestimmten Gruppen zugänglich ist. Somit ist es möglich, Materialien oder Aktivitäten nur einzelnen Gruppen bereitzustellen, Grundlagenliteratur oder ein gemeinsames Forum aber für alle Gruppen gemeinsam zu öffnen.

Für die Kursmaterial- und Aufgabenverwaltung stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung, mit denen neue Materialien in eine Kursumgebung eingestellt und vorhandene Aktivitäten und Materialien verwaltet, bearbeitet und kontrolliert werden können.

Die Lern- und Arbeitsergebnisse werden mit einem kursintegrierten Berichts- und Bewertungssystem verwaltet. Mittels der Berichte können alle Aktivitäten einzelner oder aller Teilnehmenden nachgehalten und überwacht werden, das Bewertungssystem ermöglicht eine Benotung oder Beurteilung von einzelnen Aktivitäten der Teilnehmenden und stellt somit eine Hilfe für die Kursbetreuung, bei der abschließenden Bewertung der Studierenden dar.

Kommunikation

Es stehen Möglichkeiten zur synchronen und zur asynchronen Kommunikation zur Verfügung. Moodle bietet z. B. Chat, Forum und ein internes Nachrichtensystem. Außerdem können zusätzliche Module eingebunden werden, mit denen beispielsweise E-Mail-Listen bedienbar sind.

Aktivitäten und Medien

Eine Liste von Aktivitäten in Moodle in einer Auswahlbox Moodle bietet standardmäßig eine ganze Reihe an Aktivitäten, die in beliebiger Anzahl zur Verfügung stehen. Dazu gehören Aufgaben, bei denen die Teilnehmenden einen Lösungstext einreichen, Datenbanken, die mit beliebigen Inhalten gefüllt werden können, Glossare, Tests, Umfragen, Wikis und Workshops. Letztere bestehen aus mehreren Aktivitäten und Materialien, die in einer festgelegten Reihenfolge durchlaufen werden müssen. Außerdem stehen als Aktivitäten und Lernpakete zur Verfügung, das sind in sich geschlossene Lernmodule im SCORM-Format, die in einen Moodle-Kurs integriert werden.

In einem Moodle-Kurs, können außerdem beliebige Medien integriert werden. Einfache Text- oder HTML-Seiten können direkt innerhalb der Kursumgebung mit einem Editor erstellt und bearbeitet werden. Dokumente im Word- oder PDF-Format können zum Herunterladen bereitgestellt werden, wobei Moodle zahlreiche Dateiformate automatisch erkennt und mit entsprechenden Symbolen versieht. Multimediainhalte wie Audio oder Video sowie interaktive Inhalte in Form von Java-Applets oder Flash-Animationen können zwar integriert werden, dies wird aber nicht automatisch durch Moodle vorgenommen, sondern hier müssen die Inhalte manuell eingebunden werden, indem sie bspw. in eine HTML-Seite integriert werden, die mit dem Editor von Moodle erstellt wird.

Darstellung der Testergebnisse

Bereitstellung äquivalenter Alternativen für Audio- und visuelle Inhalte

Alle grafischen Bedienelemente in Moodle verfügen über einen Alternativtext, ebenso wie alle anderen eingefügten Grafiken oder Objekte. Layoutgrafiken erhalten einen leeren Alternativtext. Problematisch ist der Alternativtext für die Nutzerfotos. Jedes Nutzerkonto kann mit einem Bild versehen werden. Dieses Bild wird dann beispielsweise bei jedem Forumsbeitrag angezeigt, der von einem Nutzer oder einer Nutzerin verfasst wird. Ebenso wird das Nutzerfoto im Chat und beim internen Nachrichtensystem angezeigt. In allen Fällen dient das Nutzerfoto zusammen mit dem Nutzernamen als Bedienelement, mit dem das Profil des jeweiligen Nutzers oder der Nutzerin angezeigt werden kann. Gemäß „ Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung “ (BITV) müsste der Alternativtext das Ziel bzw. die Aktion des Bedienelements bezeichnen, beispielsweise „Zum Nutzerprofil von ...“, stattdessen lautet der Alternativtext jeweils „Bild von ...“. Dies ist nicht ausreichend und führt daher zu einer Abwertung.

Imagemaps sowie Audio und Video sind standardmäßig nicht enthalten.

Verständlichkeit ohne Farbe

Moodle verfügt über die Möglichkeit, die Darstellung der Bedienoberfläche durch die Wahl verschiedener Vorlagen, sog. Themes, zu verändern. Dies beeinflusst beispielsweise die Darstellung von Hyperlinks, die Schriftgröße, den Schriftstil etc. Für den Test wurde die Standardvorlage beibehalten, die direkt nach der Installation der Software genutzt wird. Dabei wurde deutlich, dass die Darstellung von Hyperlinks problematisch ist. Diese werden lediglich durch die Farbe vom restlichen Fließtext abgesetzt und sind dadurch für farbfehlsichtige Menschen schlecht erkennbar. Erst beim Überfahren von Hyperlinks mit der Maus oder wenn Hyperlink-Elemente den Tastaturfokus erhalten, werden sie zusätzlich unterstrichen dargestellt. Dies führt zu einer Abwertung. Farbe von Hyperlinks im Fließtext sind nur durch Farbe hervorgehoben, erst beim Überfahren mit der Maus ist der Link dank Unterstreichung besser erkennbar

Andere Mängel sind nicht festzustellen.

Korrekte Verwendung der Markup-Sprachen

Zahlreiche Seiten nutzen kein valides HTML. Dies betrifft in der Studierendensicht, die Anmeldeseite, beide Varianten des internen Nachrichtensystems sowie die JavaScript-Variante des Chats. In der Lehrendensicht treten zudem Fehler bei der Bearbeitung der Inhalts- und der Forumsseite auf, die vermutlich durch HTML-Markup entsteht, der für das Einfügen des Editors genutzt wird. Fehlerhaft ist zudem die Seite zum Bearbeiten der Chateinstellungen.

An zahlreichen Stellen werden zudem für die Darstellung und Platzierung der Elemente Tabellen genutzt. Dies betrifft die Darstellung der Forenbeiträge, wobei die Übersicht der Forenbeiträge als tabellarische Daten zu werten sind. Beim internen Nachrichtensystem und dem Chat werden für die JavaScript-Varianten jeweils Tabellen genutzt, um Inhalte zu platzieren. Die Varianten ohne JavaScript, kommen auch ohne Tabellen aus. Der Editor nutzt eine Tabelle, um die Symbole der Bedienelemente als Menüleiste darzustellen.

Die Schriftgröße ist variabel, allerdings wird der Text von Formularelementen im Internet Explorer nicht vergrößert, was zu einer Abwertung führt. In der Kursstartseite ist bereits bei einer Fenstergröße von 800 * 600 die rechte Navigationsspalte nicht mehr vollständig zu sehen.

Während in der Studierendensicht sowohl bei einer Bildschirmgröße von 800 * 600 als auch bei 640 * 480 alle Inhalte zu sehen sind, ist dies in der Lehrendensicht nicht der Fall. Bei der Nutzung des Firefox passt der Editor bei 640 * 480 nicht mehr vollständig in das Browserfenster. Die Kursstartseite passt bei 800 * 600 im Internet Explorer nicht mehr vollständig in das Fenster und die rechte Navigationsspalte wird abgeschnitten.

Alle Seiten sind mittels Überschriften und Listen strukturiert, Zitate kommen standardmäßig nicht vor. Alleine die JavaScript-Varianten des Chats und des internen Nachrichtensystems, nutzen keine Überschriften, was zu einer Abwertung führt.

Kenntlichmachung sprachlicher Besonderheiten

Durch die vollständige Übersetzung der Bedienoberfläche ist in der Standardinstallation praktisch kein fremdsprachiges Wort oder fremdsprachiger Abschnitt zu finden. Die Hauptsprache bei fast allen HTML-Seiten ist korrekt angegeben und fehlt nur in der JavaScript-Variante des Nachrichtensystems. Zudem ist es mit dem Editor möglich, einzelne fremdsprachige Worte und Absätze auszuzeichnen.

Nutzung und Beschreibung von Tabellen

In der Studierendensicht finden sich Datentabellen lediglich bei der Darstellung der Beitragliste im Forum. Diese Datentabelle ist korrekt aufgebaut und Tabellenzellen können durch das scope-Attribut einander zugeordnet werden.

Layouttabellen finden sich auf der Kursübersichtsseite, der Navigation sowie beim Chat und Nachrichtensystem. Diese Tabellen sind aber alle linearisierbar und nicht mit Strukturmarkup ausgezeichnet.

Kontrolle zeitgesteuerter Änderungen des Inhalts

Hier ist lediglich die automatische Aktualisierung der Nachrichtenliste, bei der JavaScript-Variante des Chats zu bemängeln. Es gibt keine Möglichkeit, diese automatische Aktualisierung zu unterbinden. Stattdessen kann die Chatvariante ohne JavaScript verwendet werden; dort wird die Nachrichtenliste manuell aktualisiert.

Zugänglichkeit von Benutzerschnittstellen

Es sind keine programmierten Objekte in Moodle enthalten. Auf den Editor wird an anderer Stelle detailliert eingegangen.

Unabhängigkeit der Funktionen von Ein- und Ausgabegeräten

Der Fokus bei Auswahl mit der Maus verglichen mit dem Tastaturfokus Das Lernmanagementsystem Moodle ist durchgängig ohne Maus bedienbar, alle Links und sonstigen Bedienelemente sind mit der Tastatur erreichbar und der Editor bietet für alle Funktionen Tastaturkürzel. Die Reihenfolge bei der Tastaturbedienung ist sinnvoll und logisch. Allerdings wird der aktuelle Fokus von Links, anders dargestellt, als beim Überfahren von Links mit der Maus. Dies führt zu einer deutlichen Abwertung bei allen Seiten.

Verwendbarkeit älterer assistiver Technologien

Generell wird auf das Öffnen von neuen Fenstern und Popups verzichtet. Lediglich das interne Nachrichtensystem, sowie der Chat werden in einem neuen Fenster geöffnet, dies wird aber nicht angekündigt, was zu einer Abwertung führt. Inhaltsseiten können wahlweise im gleichen oder in einem neuen Fenster geöffnet werden. Werden Inhaltsseiten in einem neuen Fenster geöffnet, dann wird dies nicht angekündigt.

Die Formularfelder des JavaScript-basierten Chats und der JavaScript-Variante des Nachrichtensystems sind nicht beschriftet; der entsprechende Prüfschritt ist daher nicht voll erfüllt, da zumindest in den JavaScript-freien Varianten die Formularfelder beschriftet sind.

Öffentlichkeit und Dokumentation verwendeter Technologien

Zu vergrößerten Ansicht des Bildschirmfotos der Auflistung von Lernmaterialien, von HTML abweichende Formate sind rot umrahmt Standardmäßig werden keine anderen Formate als HTML genutzt. Werden Inhalte in einem anderen Format, wie zum Beispiel Word oder PDF eingesetzt, dann werden diese mit einem entsprechenden Symbol sowie einem Hinweis im Linktext gekennzeichnet.

Die Anmeldeseite, das Nachrichtensystem und der JavaScript-basierte Chat, verwenden veraltete Elemente oder Attribute. In der Bearbeitungsansicht der Inhaltsseite (Lehrendensicht), werden vom Editor veraltete Elemente genutzt. Die jeweiligen Seiten wurden entsprechend bewertet.

Grundsätzlich gibt es in Moodle nur eine Version für alle, eine separate Textvariante von einzelnen Seiten ist nicht vorgesehen.

Kontext- und Orientierungsinformationen

Frames finden sich nur in der JavaScript-Variante des Chats und des Nachrichtensystems. Diese Framsets sind nur durch name-Attribute beschrieben. Zudem ist der Aufbau des Framesets und des Chats sehr komplex und ohne ausführliche Beschreibung, nur schwer nachzuvollziehen; daher kommt es hier zu einer Abwertung.

Alle Seiten sind hinreichend und logisch gegliedert. Vorhandene Label sind mit den entsprechenden Formularelementen verknüpft. Lediglich die JavaScript-Varianten des Chats und des Nachrichtensystems wurden abgewertet. Hier fehlen die Beschriftungen zum Teil oder sind nicht mit dem entsprechenden Formularelement verknüpft, was die Bedienung erschwert.

Gestaltung von Navigationsmechanismen

Alle vorhandenen Links sind kontextunabhängig aussagekräftig genug. Lediglich Links, die auf das Nutzerprofil verweisen, stellen dies nicht deutlich genug dar. Entsprechende Links finden sich im Forum sowie auf den Seiten des Chats und des Nachrichtensystems; diese Seiten wurden entsprechend bewertet.

Die Dokumententitel sind sinnvoll strukturiert und gliedern sich in einen festen und einen flexiblen Bestandteil. Deutlicher als die vorhandene Gliederung wäre allerdings eine Unterteilung, die den Aufbau der Seite widerspiegelt, bspw. Moodle > Kursname > [Aktivität, Inhalte]. Diese Art der Gliederung findet sich aber in der Brotkrumen-Navigation wieder, weshalb dies nicht negativ bewertet wird.

Aufgrund der Komplexität einer vollständigen Moodle-Installation macht eine Sitemap als Orientierungshilfe keinen Sinn. Stattdessen gibt es zahlreiche Übersichtsseiten, bspw. eine Übersichtsseite zu allen Kursen und innerhalb eines Kurses Übersichtsseiten zu allen zur Verfügung stehenden Aktivitäten und Materialien.

Förderung des allgemeinen Verständnisses

Die Verwendung einfacher Sprache ist immer abhängig von der Zielgruppe, an die sich die jeweilige Internetseite wendet. Daher kann diese Anforderung, erst beim Vorliegen von Inhalten abschließend beurteilt werden. Für die Evaluation von Moodle wurden alle Seiten mit der Wortliste des BITV-Tests ( http://www.bitvtest.de/wortliste.html ) überprüft. Dabei wurden ein paar Wörter gefunden, die vielleicht zu ersetzen sind. Entgegen den Vorgaben zu diesem Prüfschritt wurden daher alle Seiten mit „eher erfüllt“ beurteilt, zumal durch die Bearbeitung des deutschen Sprachpakets für Moodle, die Änderung schnell vorgenommen werden kann.

Barrierefreiheit der Kommunikationswerkzeuge

Neben den Anforderungen der Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (BITV), gibt es noch weitere Aspekte, die bei der barrierefreien Gestaltung von Kommunikationswerkzeugen wie Chat, Forum oder Nachrichtensystem zu berücksichtigen sind. Diese sind in den Ausführungen zum Evaluationskonzept dokumentiert.

Einige dieser Anforderungen lassen sich direkt auf die BITV-Anforderungen abbilden. Zusätzlich dazu wurde überprüft, ob die Reihenfolge der Nachrichten im Chat verändert werden kann. Beispielsweise ist es beim Einsatz einer Bildschirmlupe von Vorteil, wenn die neueste Nachricht direkt über der Eingabezeile für eigene Nachrichten angezeigt wird, damit dann beide Informationen vergrößert sichtbar sind. Umgekehrt bringt es beim Einsatz eines Screenreaders Vorteile, wenn die neueste Nachricht ganz oben in einer Liste angezeigt wird, damit nicht immer alle Nachrichten durchgegangen werden müssen, um die neueste Nachricht zu lesen.

Moodle stellt zwei Versionen des Chats zur Verfügung. Unter Aspekten der Barrierefreiheit ist dabei die Version ohne JavaScript zu bevorzugen. Die Nachrichtenliste wird direkt unterhalb der Eingabezeile für eigene Nachrichten angezeigt. Dies ist eine günstige Lösung, sowohl beim Einsatz von Bildschirmlupen als auch bei Verwendung eines Screenreaders. Erstere können so eingestellt werden, dass sowohl Eingabezeile als auch die neuesten Nachrichten stets im Blick sind. Screenreader lesen immer die neuesten Nachrichten zuerst vor. Die Aktualisierung der Nachrichtenliste erfolgt entweder manuell durch einen Klick auf den Bedienknopf „Aktualisieren“ oder beim Abschicken einer eigenen Nachricht.

Interne Nachrichten werden immer im Nur-Text-Format verfasst. So gibt es keine Probleme mit Nachrichten im HTML-Format.

Erstellung barrierefreier Inhalte

Abbildung des WYSIWYG-Editors zur Erstellung von Lernmaterialien in moodle Ein wesentlicher Bestandteil eines Lernmanagementsystems ist die Möglichkeit, neue Inhalte in Form von Texten einzufügen. Dazu bietet Moodle standardmäßig einen Editor, der bei aktiviertem JavaScript größere Textarea-Elemente mit einem komfortablen Texteditor versieht, der sich in der Bedienung an populäre Textverarbeitungsprogramme anlehnt.

Aus Sicht der Barrierefreiheit werden verschiedene Anforderungen an die Erstellung neuer Inhalte formuliert. Zum einen sollte das Bearbeitungswerkzeug – in diesem Fall der Editor – selber barrierefrei bedienbar sein. Außerdem muss der erstellte Inhalt, also die erzeugte HTML-Datei, barrierefrei sein. Um dies zu überprüfen, wurden vier Anforderungen der Authoring Tool Accessibility Guidelines (ATAG) für den Test herangezogen:

  1. Das Werkzeug unterstützt zugängliche Redationsverfahren
  2. Das Werkzeug erzeugt standardkonformes Markup
  3. Das Werkzeug unterstützt die Erstellung barrierefreier Inhalte
  4. Möglichkeiten zur Überprüfung und Korrektur nicht barrierefreier Inhalte

Grundsätzlich ist es möglich, mit dem Editor Dokumente zu erzeugen, bei denen Darstellung und Inhalt getrennt ist. Die Arbeit mit Überschriften unterschiedlicher Gliederungsebenen wird ebenso unterstützt, wie das Einfügen von Listen, wobei auch verschachtelte Listen und Aufzählungen mit korrektem Markup abgebildet werden. Neben der Arbeit mit dem Editor ist auch die direkte Bearbeitung des HTML-Quelltext möglich, wobei vorhandenes Markup, welches vom Editor nicht erkannt wird, erhalten bleibt.

Bilder und Tabellen können eingefügt werden; beim Einfügen von Bildelementen ist die Angabe eines Alternativtextes obligatorisch und wird durch entsprechende Dialogfenster gefordert. Dadurch ist es aber auch nicht möglich, Layoutbilder mit einem leeren Alternativtext zu versehen, sondern hier muss nachträglich der Quelltext bearbeitet werden. Tabellen werden zwar mit einer Überschriftenzeile versehen, die erste Zelle einer jeden nachfolgenden Zeile, kann aber nicht direkt als Überschrift ausgezeichnet werden.

Direkte Formatierungen wie Fett- oder Kursivdruck, die Auszeichnung anderssprachiger Wörter und Abschnitte, Farbänderungen sowie Änderungen der Schriftart werden vom Editor unterstützt. Im Quelltext wird jede dieser Bearbeitungen mittels span-Element realisiert, wobei für Hervorhebungen in HTML aber spezielle Elemente (em, strong) zur Verfügung stehen. Diese werden aber vom Editor nicht unterstützt.

Das vom Editor erzeugte Markup ist nicht standardkonform, zum ansonsten von Moodle genutzten XHTML. Wenn Bildelemente oder Tabellen eingefügt werden, dann fügt der Editor hier einige gemäß BITV-Test veraltete Elemente und Attribute ein. Ansonsten ist das erzeugte Markup konform zu XHTML 1.0 Strict.

Es ist weiter nicht möglich, den erzeugten HTML- Code direkt im Editor auf Barrierefreiheit hin zu überprüfen.

Positiv hervorzuheben ist die Tastaturbedienbarkeit des Editors; für jede Funktion steht ein Tastaturkürzel zur Verfügung, welches auch ausführlich dokumentiert ist. Alternativtexte für die Bedienelemente fehlen allerdings. Zudem ist der Tastaturfokus nur umständlich wieder auf andere Bedienelemente zu legen, sobald das Eingabefeld des Editors per Tabulatortaste erreicht wurde. Jeder weitere Druck der Tabulatortaste führt dann zum Einfügen eines Tabstopps im Text. Das Eingabefeld kann dann nur durch mehrmaliges Drücken der Tastenkombination Strg + Tab verlassen werden.

Der Editor steht nur bei eingeschaltetem JavaScript zur Verfügung; dies wurde aber nicht negativ bewertet. Der Editor kann zudem in der Administration des Lernmanagementsystems vollständig abgeschaltet oder in seinem Funktionsumfang angepasst werden.

Des Weiteren ist es möglich, den vorhandenen Editor durch andere Editoren auszutauschen. Es gibt eine ganze Reihe weiterer Editoren, die zum Teil deutlich besseren HTML- Code erzeugen oder flexibler sind. Da die Ergebnisse des mitgelieferten Editors zwar recht brauchbar, aber an einigen Stellen noch verbesserungsfähig sind, sollte bei entsprechendem Bedarf über den Einsatz von Xstandard, TinyMCE oder FCKEditor nachgedacht werden.