Der Verband der Menschen mit Behinderungen und chronischer Erkrankungen in Deutschland reagiert mit Empörung auf die Kritik von Dr. Bernd Jürgen Schneider, Hauptgeschäftsführers des Städte- und Gemeindebunds Nordrhein-Westfalen, an der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik des Landes NRW (BITV-NRW). In mehreren Kommentaren und Stellungnahmen kommen die Web-Experten zu einem vernichtenden Urteil. Die Argumente Herr Dr. Schneiders werden Schritt für Schritt widerlegt oder als sachlich falsch herausgestellt.
"Die Behauptungen von Dr. Schneider sind falsch und dokumentieren ein hohes Maß an Unwissenheit", erklärt Wolfgang Tigges, stellvertretender Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte (BAGH). "Die in der Pressemitteilung enthaltenen Argumente gegen die BITV-NRW zeigen, dass der vielzitierte Paradigmenwechsel in den Köpfen der Verantwortlichen noch nicht stattgefunden hat".
Besonders dass Kostenargumente angeführt werden, verärgert Martin Stehle, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstands der BHSA (Bundesarbeitsgemeinschaft Hörbehinderter Studenten und Absolventen e.V.): "Die langfristige Kalkulation zeigt außerdem, dass Folgekosten gespart werden und dass das Verhältnis des Nutzen zu den Ausgaben weitaus besser ist", "Abwärtskompatibilität und Zukunftssicherheit erreicht man mit barrierefreien Seiten. Man spart Geld und hat gleichzeitig eine höhere Nutzerzufriedenheit".
"Bund, Länder und Kommunen investieren in den kommenden Jahren Milliarden, um ihre Dienstleistungen ins Internet zu verlagern." weiß Karsten Warnke, Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS). "Die relativ geringen Mehrkosten für die Barrierefreiheit sind eher Peanuts, wenn von Anfang an auf Barrierefreiheit gesetzt wird."
Arbeitskreis Barrierefreies Internet des Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. (BVDW) warnt "dringend vor einer Zersplitterung der anzuwendenden Standards. Nicht nur die Entwicklung einer Kultur der Barrierefreiheit würde dadurch gehemmt, sondern die zu erwartenden Kosten auch unnötig in die Höhe getrieben." Besonders der Bezug der BITV-NRW auf die BITV des Bundes wertet der Arbeitskreis als vorbildlich: "Die dadurch erreichte Vereinheitlichung der anzulegenden Standards sollte anderen Ländern nach Auffassung des AK Barrierefreies Internet als Vorbild dienen".
Der deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) fordert in einem Memorandum "die technischen Standards der BITV für die Verordnungen der Bundesländer zu übernehmen".
In einem Artikel im Online-Magazin HTML-World wird gar vermutet, dass der Städte- und Gemeindebund NRW in seinem eigenen Gemeinschaftsprojekt "e-Government NRW" schlechte Berater hatte.
Die Stellungnahmen und Kommentare im Einzelnen: