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Die neuen Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) in der Version 2.0

Hintergrund

Im Jahr 1999 veröffentlichte die Arbeitsgruppe in englischer Sprache "Web Accessibility Initiative" (WAI) des in englischer Sprache World Wide Web Consortiums (W3C) Richtlinien, die Regeln definierten, wie die Entwickler, Grafiker und Autoren von Internet-Inhalten ihre Inhalte auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich gestalten konnten.

Die Beschreibungen dieser in englischer Sprache "Web Content Accessibility Guidelines" (WCAG) genannten Richtlinien für zugängliche Internet-Inhalte orientierten sich an dem zu diesem Zeitpunkt geltenden Stand der Technik. Sie beschränkten sich auf HTML als Auszeichnungssprache und CSS als gestalterisches Element. Auf dieser Basis gaben sie detaillierte Hinweise zur Gestaltung von Web-Inhalten.

Alternative Formate, wie beispielsweise das heute populäre PDF, Flash oder Multimedia wurden darin nicht behandelt, sind aber aus dem heutigen Internet nicht mehr wegzudenken.

Ab Mitte 2000 wurde daher mit einer Überarbeitung der Richtlinie begonnen, die im Dezember 2008 ihren Abschluss in der Verabschiedung der aktualisierten in englischer Sprache "Web Content Accessibility Guidelines 2.0" fand.

Neben den WCAG 2.0 hat das W3C eine ganze Serie von Richtlinien verabschiedet, die sicherstellen sollen, dass auch Menschen mit Behinderung Web-Inhalte nutzen können. Diese Serie umfasst Richtlinien für Autorenwerkzeuge zur Erstellung von Inhalten in den in englischer Sprache "Authoring Tool Accessibility Guidelines" (ATAG) sowie Richtlinien für Benutzeragenten in den in englischer Sprache "User Agent Accessibility Guidelines" (UAAG). Diese Instrumente tragen dazu bei, Barrierefreiheit im Internet zu unterstützen.

Struktur der WCAG 2.0

Wie zuvor bereits die WCAG 1.0, enthalten auch die WCAG 2.0 eine Abstufung nach Bedeutung mit den Bezeichnungen A, AA und AAA. Die Stufe A enthält die aus Sicht der Barrierefreiheit wichtigsten Anforderungen, AAA eher ergänzende.

Abgesehen davon wurde die Struktur der WCAG 2.0 im Vergleich zur ersten Version komplett neu entworfen. Beschränkten sich die Autoren bei den WCAG 1.0 auf Anforderungen auf HTML-Basis, so ist die überarbeitete Version nun unabhängig von technischen Details formuliert. Das heißt, sie basiert nicht auf einer konkreten Technik wie HTML. Stattdessen ist sie abstrakter und orientiert sich in ihrer Gliederung an den vier Grundprinzipien der Barrierefreiheit (Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit).

Dieses technikunabhängige Referenzmodell ist für Entwickler von Webseiten und Webtools nicht praktikabel. Daher existieren zusätzlich die sogenannten weiterführenden Dokumente (in englischer Sprache "supporting documents"), die sich auf konkrete Techniken beziehen. Sie gliedern sich in die folgenden Bestandteile:

  • in englischer Sprache How to Meet WCAG 2.0: Dieses Dokument stellt sozusagen den Einstieg in die WCAG 2.0 für Entwickler dar. In diesem Dokument sind alle Anforderungen ("Guidelines") und zu deren Erfüllung notwendigen Erfolgskriterien ("Success Criteria") aufgeführt. Ergänzend dazu existiert zu jedem Erfolgskriterium eine Liste von "Sufficient Techniques", "Advisory Techniques" und "Common Failures: "Sufficient Ttechniques" kennzeichnen Implementierungen, die das zugehörige Kriterium ausreichend erfüllen, "Advisory Techniques" enthalten zusätzliche Maßnahmen für eine verbesserte Nutzbarkeit und "Common Failures" informieren über nicht ausreichende Umsetzungen.

    In Abhängigkeit der vom jeweiligen Entwickler genutzten Technik (etwa CSS, Javascript, HTML) und der Prioritätenstufe (A, AA oder AAA) kann die Ansicht der Anforderungen individuell angepasst werden.

  • in englischer Sprache Understanding WCAG 2.0: Dieses Dokument enthält detailliertere Informationen zu Anforderungen und Erfolgskriterien. Dazu gehören etwa eine Begründung oder Sensibilisierung für die Anforderungen, Beispiel-Szenarios, den Gewinn, den Menschen mit Behinderung aus der Erfüllung von Anforderungen ziehen können und zahlreiche weitere Informationen.

  • in englischer Sprache Techniques for WCAG 2.0: Dieses Dokument enthält spezielle Informationen für Entwickler zur barrierefreien Gestaltung von Web-Inhalten. Es umfasst generelle und technologiespezifische Beispiele etwa für HTML/XHTML, CSS, scripting und weitere Techniken. Darüber hinaus werden darin auch häufig gemachte Fehler, die es zu vermeiden gilt, vorgestellt.

Eine interne Verlinkung zwischen diesen drei Dokumenten auf den Seiten des W3C ermöglicht es Lesern und Entwicklern, genau die Informationen zu erhalten, die sie für ihre Arbeit benötigen.

Fazit

Dank einer technologieunabhängigen Formulierung wurde mit den WCAG 2.0 ein Referenzmodel geschaffen, das auch mit zukünftigen Technologien kompatibel ist. Durch die offene Struktur auf der Ebene der verwendeten Techniken können erfolgreiche Umsetzungen mit in die bestehenden Technique-Dokumente aufgenommen werden, oder die Erfolgskriterien ergänzt und damit anderen Entwicklern zugänglich gemacht werden.

Die Zeiten, in denen Webentwickler Probleme beim Einsatz von Flash oder Multimedia-Elementen hatten, sollten damit der Vergangenheit angehören.