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Chat und Chatanwendungen

Ein Chat wird im E-Learning eingesetzt, um mit mehreren Personen synchron, also gleichzeitig und in Echtzeit, zu kommunizieren. Gerade bei der barrierefreien Gestaltung von E-Learning muss aber der Einsatz eines Chats gut überlegt und mögliche Alternativen berücksichtigt werden.


Chat bezeichnet eine Kommunikation in Echtzeit über ein elektronisches Netzwerk wie beispielsweise das Internet. Nachrichten werden hauptsächlich in Textform ausgetauscht; es gibt aber auch Chatanwendungen, die eine Audio- oder Videokommunikation ermöglichen. Gechattet wird meist in so genannten Räumen oder Channels, dabei sind jeweils nur die Teilnehmenden erreichbar, die sich im gleichen Raum oder Channel aufhalten. Einige Chats bieten auch die Möglichkeit einer privaten Unterhaltung mit nur einer Person.

Bei einem Chat werden die Nachrichten, Fragen und Antworten in ein Textfeld eingegeben und mit einem Klick auf die entsprechende Schaltfläche an alle Teilnehmenden verschickt. Zum Austausch werden aber nicht nur Texte eingesetzt. So genannte Emoticons (zusammengesetzt aus Emotion und Icon), um Stimmungen oder Gefühle auszudrücken. Außerdem ist bei einigen Chatanwendungen auch der Austausch von Dateien möglich.
Technisch können Chats unterschieden werden zwischen

  • Internet Relay Chat (IRC): die älteste Chatvariante; dieser Chat ist auf die Verwendung einer Serversoftware angewiesen, wobei der Server meist mit weiteren IRC-Servern zu einem Netzwerk verbunden wird. Zur Benutzung eines IRC-Chats werden entweder separate Programme oder einfache webbasierte Bedienoberflächen eingesetzt.
  • Web-basierte oder HTML-Chats: hier ist nicht immer ein Server notwendig; als Software kommt entweder ein Java-Applet oder HTML in Verbindung mit JavaScript zum Einsatz.
  • Instant Messanger: bei dieser Variante des Chats muss in der Regel eine Software installiert werde, über die dann die Textnachrichten verschickt werden. Die Kommunikation läuft dabei nicht über einen öffentlichen Kanal, sondern meist nur zwischen bekannten " Buddies", Chatpartnern, die sich gegenseitig in ihrer Kontaktliste führen. Beispiele dafür sind ICQ, Jabber, GAIM oder der MSN Messenger.

Einsatzmöglichkeiten für Chats

Eingesetzt werden Chats meist für ungezwungene Unterhaltungen. Gerade im E-Learning aber werden Chats aber auch für die Betreuung der Lernenden und für den Austausch der Teilnehmenden untereinander eingesetzt. Chats werden beispielsweise für eine virtuelle Sprechstunde oder auch als Ersatz für eine Seminarsitzung während einer Online-Arbeitsphase genutzt.

Einsatzmöglichkeiten für Chats sind:

  • Online-Seminarsitzung
  • Virtuelle Sprechstunde
  • Brainstorming
  • Interviews mit Expertinnen und Experten
  • Praktikums- oder Exkursionsberichte
  • Diskussionen

Beim Chat vermischen sich mündliche und schriftliche Kommunikation. Einerseits werden die Chatnachrichten als Text verfasst und an die anderen Teilnehmenden geschickt; andererseits sind Chatnachrichten aber eher eine schriftliche Form einer mündlichen Äußerung. Chatnachrichten sind spontan und nur selten so ausformuliert wie dies bei asynchronen Kommunikationsformen im Internet ist, wie beispielsweise bei E-Mails oder Foren. Ein Chat ist eine Art schriftliches Gespräch, bei dem die Beiträge als Text übertragen werden.
Durch diese Besonderheiten müssen beim Einsatz eines Chats die Vor- und Nachteile abgewogen werden. Das gilt besonders dann, wenn Menschen mit Behinderung an einem Chat teilnehmen.

Vorteile:

  • Die Chatnachrichten bleiben am Bildschirm sichtbar, können somit mehrfach gelesen werden. Dies ist besonders hilfreich für Teilnehmende, die nicht flüssig lesen können oder den Computer mit Unterstützung eines Screenreaders oder einer Bildschirmlupe bedienen.
  • Viele Chatprogramme legen auch eine Mitschrift des gesamten Chats an. Damit bleiben die Nachrichten einsehbar, auch wenn der eigentliche Chat bereits vorbei ist.
  • Chats können sowohl moderiert als auch für den ungezwungenen Austausch genutzt werden. Damit bieten sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten.
  • Während einer Chatsitzung kann auf ergänzende Texte oder Websites im Internet verwiesen werden. Diese können dann auch gleich aufgerufen werden.

Nachteile:

  • Wenn sich mehrere Personen gleichzeitig an einem Chat beteiligen, entstehen schnell mehrere Gesprächsstränge, die nebeneinander verlaufen. Dies erschwert möglicherweise das Mitverfolgen des Chats. Hier kann aber mit geeigneten Moderationstechniken gearbeitet werden, die das Nachverfolgen eines Chats erleichtern.
  • Da eine Chatnachricht getippt werden muss, kommt es möglicherweise zu leichten Verzögerungen. Hier sind besonders diejenigen betroffen, die nicht schnell tippen können oder motorisch eingeschränkt sind.
  • Da beim Chat schnell getippt wird, kommt es leicht zu Fehlern bei Rechtschreibung oder Grammatik. Das kann das Mitlesen der Chatnachrichten für Menschen erschweren, die den Computer mit Unterstützung eines Screenreader benutzen.

Der Einsatz eines Chats sollte gut überlegt und geplant werden. Gerade beim Einsatz von Chats im E-Learning sollten entsprechende Moderationstechniken eingesetzt und vorher natürlich geübt werden. So erleichtern Sie gerade untererfahrenden Teilnehmenden die Beteiligung an einem Chat, da die schnelle und vielschichtige Kommunikation durch eine entsprechende Moderation verlangsamt und besser nachvollziehbar gestaltet wird.

Insbesondere wenn Menschen mit Behinderung an einem Chat beteiligt sind sollten Sie auch überlegen, ob ein Textchat wirklich die geeignete Form für die Unterhaltung in Echtzeit ist. Wenn die Teilnehmenden nur langsam mitlesen oder schreiben können, sind Video- oder Audiochats eine mögliche Alternative. Diese stellen zwar technisch höhere Anforderungen an den eingesetzten Computer und benötigen meist eine schnelle Internetverbindung, aber die Teilnehmenden müssen die Beiträge nicht eintippen. Überlegen Sie, ob nach einem Video- oder Audiochat ein entsprechender Mitschnitt der Unterhaltung und eine Abschrift in Textform bereitgestellt werden sollen.

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