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Anforderungen an einen barrierefreien Chat
Da Chats auf Grundlage unterschiedlicher Programmiersprachen (PHP, Ruby, Java, JavaScript) sowie mal als webbasierte Anwendung oder als P2P-Anwendung mit Installation auf dem Rechner des Anwender umgesetzt werden, ist die Zuordnung, welche vorhandenen Anforderungen bzgl. der Barrierefreiheit angelegt werden, nicht einfach zu beantworten. Die folgenden Anforderungen sind daher ein Kompromiss und eine Zusammenstellung aus den Anforderungen der Barrierefreie Informationstechnik Verordnung (BITV) bzw.
Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 1.0,
Section 508 sowie Überlegungen des
IMS-Global und aus dem Projekt
WebAIM.
Die Anforderungen beziehen sich auf eine textbasierte, synchrone Chatanwendung. Dies bedeutet, dass die Teilnehmenden primär über Textnachrichten zeitgleich miteinander kommunizieren. Darüber hinaus gehende Möglichkeiten wie beispielsweise ein Shared-Whiteboard oder Audiokommunikation werden nicht berücksichtigt.
- Nutzerkontrolle der zeitgesteuerten Änderung des Inhalts:
Die Aktualisierung der eintreffenden Nachrichten kann gesteuert werden. Die automatische Aktualisierung kann beispielsweise vollständig abgeschaltet oder auf andere Zeitintervalle eingestellt werden. Die Nachrichtenliste kann wahlweise auch manuell aktualisiert werden. - Unabhängigkeit der Funktionen von Ein- und Ausgabegeräten:
Der Chat ist vollständig per Tastatur bedienbar. Jede Funktionalität ist auch bei der Bedienung mit der Tastatur erreichbar. Insbesondere der rasche Wechsel von der Nachrichtenübersicht zur Nachrichteneingabe per Tastatur ist zu unterstützen.
Der Tastaturfokus sollte beim Eintreffen neuer Nachrichten nicht automatisch auf die Nachrichtenübersicht gesetzt werden bzw. dies sollte in den Optionen einstellbar sein. - Verwendbarkeit ohne Farbe bzw. Bereitstellung äquivalenter Alternativen:
Wichtige Informationen und Hinweise werden nicht nur als mittels Farbe oder mittels Klang transportiert. Beispielsweise bieten manche Chats die Möglichkeit, andere Teilnehmende anzupingen. Entsprechende Hinweise sollten seh- und hörbar erfolgen. Dies kann direkt von der Chatanwendung unterstützt oder mittels Eingabehilfen des Betriebssystems realisiert werden. - Verwendbarkeit älterer assistiver Technologien:
Der Chat sollte mit möglichst vielen Screenreadern verwendbar sein. Dies betrifft sowohl Chats, die als eigenständige Programme in Java oder einer anderen Programmiersprache geschrieben sind, als auch in Webseiten integrierte Chats, deren Bedienoberfläche mit HTML etc. realisiert ist.
Wenn der Chat nicht mit Screenreadern zusammenarbeitet muss überprüft werden, ob dies durch die Chatanwendung oder durch den Screenreader bedingt ist. Dazu kann auf entsprechende Prüfwerkzeuge (bspw.
Inspect32 für Microsoft Windows,
JavaMonkey für Java-Anwendungen) zurückgegriffen werden.
Neuere webbasierte Chats nutzen die Standards für
Accessible Rich Internet Applications (ARIA), um assistive Technologien über neue Nachricht u. ä. zu informieren. Die Verwendung solcher Standards ist nicht negativ zu bewerten, auch wenn noch nicht alle Screenreader ARIA unterstützen. - Orientierung und Navigation:
Der Chat ist einfach zu bedienen und übersichtlich gestaltet. Bedienelemente erschließend sich von selbst; ggf. wird eine Hilfedatei bereitgestellt.
Je nach verwendeter Technologie (HTML, PHP, Java, etc.) sind ggf. weitere Prüfschritte hinzuzuziehen. Bei einem webbasierten Chat, dessen Bedienoberfläche mittels HTML realisiert wird, können beispielsweise die Prüfschritte des BITV-Kurztests hinzugezogen werden.